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Auswirkungen des Corona-Virus auf die Kultur- und Kreativwirtschaft

In außergewöhnlichen Zeiten werden die Menschen erfinderisch und innovativ. Bei allen Herausforderungen, die diese Pandemie mit sich bringt, lässt sie auch den Blick darauf lenken und neu bewerten, was wirklich wichtig ist.

Wir folgen den Empfehlungen der lokalen Gesundheitsbehörden. Die Intensivierung der Schutzmaßnahmen vergangenen Freitag hat uns dazu veranlasst, die beiden nächsten Ausstellungen im Designhaus Transkarpatische Kunst und die 11. Darmstädter Tage der Fotografie leider absagen zu müssen.

Unsere Geschäftsstelle ist zu den gewohnten Bürozeiten mit einer Mitarbeiterin besetzt. Das weitere Team hat auf Homeoffice umgestellt und ist für Sie per Email oder Handy erreichbar.

Die Kollegen vom Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen und dem AGD sammeln bundesweit Rückmeldungen von Selbstständigen und Unternehmen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen und geben hilfreiche Informationen weiter.

SELBSTSTÄNDIGE UND FREIBERUFLER WERDEN BEI QUARANTÄNE ENTSCHÄDIGT

Wer auf Grund des Coronavirus behördlich unter Quarantäne gestellt wird, einem Tätigkeitsverbot unterliegt und dadurch einen Verdienstausfall erleidet, kann über die Landesgesundheitsämter eine Entschädigung beantragen. Nach dem Infektionsschutzgesetz erhalten auch Selbstständige und Freiberufler*innen den Verdienstausfall ersetzt. Grundlage der Berechnung der Entschädigung ist der letzte vorliegende Einkommenssteuerbescheid. Bei einer Existenzgefährdung können Mehraufwendungen beantragt werden. Wer als Selbständige*r nicht gesetzlich kranken-, renten- und pflegeversichert ist, hat Anspruch auf Erstattung der Aufwendungen für soziale Sicherung in angemessenem Umfang. Der Anspruch ist innerhalb von drei Monaten geltend zu machen.

AUSSETZUNG UND HERABSETZUNG VON STEUERZAHLUNGEN

Auf Antrag können laufende Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer herabgesetzt oder ausgesetzt werden. Fällige Steuerzahlungen lassen sich stunden, Säumniszuschläge können erlassen werden. Auf Vollstreckungsmaßnahmen kann vorübergehend ebenso verzichtet werden. Bitte wendet Euch direkt telefonisch an das für Euch zuständige Finanzamt. Wir haben aus dem Netzwerk Rückmeldungen, dass die Finanzämter sehr verständnisvoll und unbürokratisch reagieren und Ihr die Vorauszahlungen telefonisch minimieren oder sogar aussetzen könnt.

KURZARBEITERGELD

Unternehmen mit mindestens einem/r Mitarbeiter*in können Kurzarbeitergeld beantragen. Beim Kurzarbeitergeld übernimmt die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns, wenn eine Firma ihre Beschäftigten in Kurzarbeit schickt. Den Arbeitgeber*innen sollen außerdem die Sozialbeiträge für die ausgefallenen Arbeitsstunden erstattet werden. Arbeitgeber*innen können Kurzarbeitergeld beantragen, mindestens 10% der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen ist. Die Maßnahme soll Unternehmen helfen, bei eingebrochenem Geschäft Mitarbeiter*innen zu halten. Achtung: Kurzarbeitergeld gibt es nicht für geringfügig Beschäftigte! Weitere Informationen auf der Website der Bundesagentur für Arbeit. Wir weisen darauf hin, dass der Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen die Entschädigung an seine Beschäftigten auszahlt. Er hat dann gegenüber seinem Bundesland einen Erstattungsanspruch.

SOFORTHILFEN

Über die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL) können InhaberInnen eines Wahrnehmungsvertrags aus der freien Szene eine einmalige Soforthilfe in Höhe von 250 Euro beantragen, wenn Sie durch virusbedingte Veranstaltungsabsagen Honorarausfälle erlitten haben. Betroffene wenden sich zur Beantragung bitte direkt an die GVL.

AUSFALLHONORARE

Ob Sie vom Auftraggeber ein Ausfallhonorar bekommen, hängt von Ihren individuellen Vertragsbedingungen ab. Auch mündlich oder per SMS/WhatsApp geschlossene Vereinbarungen sind wirksam. Achten Sie beim Abschluss neuer Verträge darauf, dass es Regelungen über Ausfallhonorare gibt. Haben Sie in einem Projekt bereits Teilleistungen erbracht, so haben Sie zumindest anteilig Anspruch auf das Honorar.

FÖRDERMITTEL FÜR LAUFENDE PROJEKTE

Sie setzen gerade mit Hilfe von Fördermitteln ein Projekt um oder müssen Veranstaltungen und/oder Reisen absagen? Wie sich das auf die Abrechnung der Fördermittel auswirkt, dazu gibt keine allgemeingültig Regelung. Wir gehen davon aus, dass die fördernden Stellen die Projektträger in Kürze individuell informieren werden. Zahlreiche Verbände setzen sich aktuell dafür ein, dass die aktuelle Situation sich nicht negativ auf die Zuwendungsempfänger und die beteiligten Kultur- und Kreativschaffenden auswirkt.

Entschädigungszahlungen für ausgefallene Honorar von staatlicher Seite gibt es momentan nicht. Aktuell sind im Gespräch Maßnahmen der Künstlersozialkasse und auch die Bundesbeauftragte für Kultur- und Medien hat Unterstützung angekündigt. Außerdem sammelt eine Petition momentan Unterschriften für Hilfen für Freiberufler*innen und Künstler*innen während der Cornonakrise.

Bei Angestellten zahlt demnach in der Regel der Arbeitgeber weiter. Der wiederum kann sich das Geld im Nachhinein von den Behörden erstatten lassen. Aber laut SWR gehen auch Selbstständige und Freiberufler nicht leer aus. Nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten erhalten auch sie den einen Verdienstausfall ersetzt. Dabei geht die zuständige Behörde von dem Gewinn aus, der im Steuerbescheid für das letzte Kalenderjahr festgestellt wurde.

UMFRAGE ZU DEN WIRSCHAFTLICHEN AUSWIRKUNGEN

Die abgesagten Messen, Festivals und Konzerte betreffen die Kultur- und Kreativwirtschaft wirtschaftlich erheblich. Die bisher von der Bundesregierung vorgestellten Maßnahmen greifen gerade für Freiberufler*innen jedoch nicht. Die Kollegen vom Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsen und dem AGD sammeln bundesweit Rückmeldungen von Selbstständigen und Unternehmen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen und geben hilfreiche Informationen weiter. Bitte nehmen Sie an der Umfrage zur Auswirkung der Coronakrise auf Ihre Geschäftstätigkeit teil. Die Kurzumfrage dauert max. 4 Minuten und ist bis 31.03. online:

http://bit.ly/corona-kreativwirtschaft

Danke für Ihre Rückmeldung und teilen Sie den Link auch mit betroffenen Kollegen*innen. Mit den Ergebnissen werden anschließend gezielt Politiker aus den Ländern und dem Bund angesprochen.

Behalten wir die nächsten Wochen einen kühlen Kopf und bleiben Sie alle gesund!

Cornelia Dollacker
Leiterin Hessen Design e.V.

Bildquelle: Shutterstock